Was uns ein Ocean Race über erfolgreiche Transformation erzählen kann

Am 1. September wird es für mich spannend. Dann startet das Ocean Race Atlantic von New York nach Lorient, und natürlich werde ich besonders verfolgen, wie sich Boris Herrmann und Team Malizia schlagen. Als Segler fasziniert mich dabei nicht nur die Geschwindigkeit dieser Boote. Mich interessiert viel mehr die Frage, warum eine Mannschaft am Ende erfolgreich ist – denn das beste Boot allein wird ein solches Rennen nicht gewinnen.

Eigentlich ist uns das beim Segeln vollkommen klar. Man braucht ein schnelles und zuverlässiges Boot, hervorragende Technik, Wetterdaten und die richtigen Informationen. Aber genauso braucht man Menschen, die auch unter Druck gute Entscheidungen treffen, eine Crew, die sich vertraut, klare Rollen, einen gemeinsamen Kurs und die Fähigkeit, auf etwas zu reagieren, das gestern noch niemand vorhersehen konnte. Und manchmal braucht man vor allem die Ausdauer, nach einem Fehler oder einem Rückschlag weiterzumachen.

Vielleicht sollten wir deshalb häufiger einmal nicht aus der Wirtschaft auf Wirtschaft schauen.

Denn dort versuchen wir erstaunlich oft, Probleme vor allem mit Technik zu lösen. Wir kaufen ein neues ERP, ein PIM oder eine weitere Plattform. Aktuell setzen wir große Hoffnungen auf KI. Und beim Digitalen Produktpass entsteht ebenfalls schnell die Vorstellung, man müsse nur die richtige DPP-Software finden – und dann sei die Aufgabe erledigt.

Als Segler würde wahrscheinlich niemand sagen: Wir haben jetzt das beste Boot gekauft, also werden wir gewinnen. Im Unternehmen scheint uns derselbe Gedanke dagegen gar nicht so absurd vorzukommen.

Vier Perspektiven auf ein und dasselbe Rennen

Genau an dieser Stelle finde ich das Vier-Quadranten-Modell von Ken Wilber interessant. Wilber betrachtet Entwicklungen nicht nur aus einer Perspektive, sondern unterscheidet vereinfacht das Innere und Äußere eines Menschen sowie das Innere und Äußere eines Kollektivs. Daraus entstehen vier Blickwinkel, die sich mit Haltung, Verhalten, Kultur und Strukturen bzw. Systemen beschreiben lassen.

Das klingt zunächst nach Theorie. Auf einem Segelboot wird es plötzlich sehr konkret.

Da ist zunächst die Haltung jedes Einzelnen. Was passiert, wenn nachts auf dem Atlantik etwas schiefläuft, die Wetterprognose nicht mehr passt oder ein technisches Problem entsteht? Gebe ich Verantwortung ab oder suche ich nach einer Lösung? Bleibe ich konzentriert? Vertraue ich meinen Fähigkeiten und denen der anderen? Eine solche Haltung kann man nicht installieren wie eine Software, aber sie beeinflusst jede Entscheidung an Bord.

Aus Haltung muss jedoch Verhalten werden. Die richtige Einstellung nützt wenig, wenn das Manöver zu spät kommt. Die Crew muss beobachten, entscheiden und handeln. Segel werden gewechselt, Wetterdaten ausgewertet, der Kurs wird korrigiert und jeder muss genau dann seine Aufgabe erfüllen, wenn es darauf ankommt. Plötzlich wird aus einem inneren Gedanken etwas Sichtbares – und häufig sogar etwas Messbares.

Genauso wichtig ist die Kultur der Mannschaft. Auf einem solchen Boot kann niemand dauerhaft als Einzelkämpfer gewinnen. Informationen müssen weitergegeben werden, Menschen müssen einander vertrauen und Fehler müssen angesprochen werden können. Jeder bringt andere Fähigkeiten und Erfahrungen mit, aber alle verfolgen dasselbe Ziel. Das ist vielleicht eine der stärksten Lektionen des Segelsports: Individuelle Spitzenleistung ist wichtig, ihren wirklichen Wert entfaltet sie aber erst im Zusammenspiel mit anderen.

Und schließlich braucht all das eine Struktur. Das Boot, die Technik, Sensoren, Navigation, Wetterinformationen, Kommunikationssysteme, Rollen und Prozesse bilden das Umfeld, in dem die Mannschaft arbeiten kann. Auch die beste Crew wird mit einem völlig ungeeigneten Boot kaum ein Ocean Race gewinnen. Umgekehrt macht aber ein hervorragendes Boot aus vier Menschen noch keine hervorragende Mannschaft.

Genau deshalb müssen alle vier Perspektiven zusammenspielen.

Vier Perspektiven für gemeinsamen Erfolg: Strategie, Team, Ressourcen und Ausdauer am Beispiel einer Segelcrew.
Die Grafik überträgt vier Perspektiven erfolgreicher Transformation auf den Segelsport: Strategie bestimmt den Kurs, das Team bildet die Crew, Ressourcen liefern Technik, Daten und Werkzeuge, und Ausdauer steht für Anpassungsfähigkeit und Lernen. Erst ihr Zusammenspiel ermöglicht messbaren gemeinsamen Erfolg.

Vom Ocean Race ins Unternehmen

Für das Bild zu diesem Beitrag habe ich diese vier Perspektiven bewusst in die Sprache des Segelsports übersetzt: Strategie – der Kurs, Team – die Crew, Ressourcen – der Wind und Ausdauer – die See. Das ist nicht Wilbers ursprüngliche Benennung seiner Quadranten, sondern meine Übertragung auf ein Rennen.

Strategie bedeutet, den Kurs zu kennen und ihn trotzdem immer wieder anhand neuer Informationen zu überprüfen. Team bedeutet Vertrauen, Zusammenarbeit und klare Rollen. Ressourcen sind das Boot, die Technik, das Material und heute natürlich vor allem auch Daten. Und Ausdauer bedeutet, mit Veränderungen und Rückschlägen umgehen zu können, aus Fehlern zu lernen und trotzdem das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

Und jetzt stellen wir dieses Boot gedanklich einmal in ein Unternehmen.

Dort erleben wir häufig genau die umgekehrte Reihenfolge. Zuerst wird über ein neues System gesprochen. Dann über die Einführung. Dann über Schnittstellen. Irgendwann stellt man fest, dass Informationen fehlen, Verantwortlichkeiten nicht eindeutig sind oder ein Prozess über Jahre aus immer mehr manuellen Zwischenschritten entstanden ist. Trotzdem kommt irgendwann die nächste Software hinzu.

Bei KI wird dieses Problem gerade besonders sichtbar. Wenn Produktinformationen in verschiedenen Systemen, Excel-Tabellen, Dokumentationen, E-Mails und Köpfen verteilt sind, wird eine KI daraus nicht automatisch eine klare Informationslandschaft machen. Im schlechtesten Fall haben wir anschließend dasselbe Datenchaos – nur jetzt zusätzlich mit KI.

Deshalb gefällt mir das Bild vom Segeln so gut. Technik ist enorm wichtig, aber Technik ist eben nicht die ganze Mannschaft.

Muss deshalb gleich das ganze Unternehmen transformiert werden?

Nein. Und genau an diesem Punkt wird mir die Diskussion über Transformation manchmal zu theoretisch.

Ein Unternehmen muss nicht zuerst seine gesamte Kultur verändern, bevor es einen Prozess verbessern darf. Es muss auch nicht jahrelang über Haltung und Mindset diskutieren. Vielleicht genügt für den Anfang ein ganz konkreter Zeitfresser: ein Prozess, bei dem Mitarbeiter ständig Informationen suchen, Daten mehrfach übertragen oder Dokumente manuell zusammenstellen.

Dann können wir sehr praktisch aus den vier Perspektiven darauf schauen. Wissen wir eigentlich genau, was besser werden soll? Verhalten und Prozess – passen sie zu diesem Ziel? Funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Bereichen? Und geben unsere Daten und Systeme den Menschen überhaupt die Möglichkeit, effizient zu arbeiten?

Vielleicht liegt das Problem nur in einem dieser Bereiche. Vielleicht in mehreren. Entscheidend ist, dass wir nicht reflexartig wieder bei der Software anfangen, sondern dort, wo der tatsächliche Engpass liegt. Anschließend lässt sich auch messen, ob Suchzeiten sinken, weniger manuelle Schritte notwendig sind, Informationen zuverlässiger werden oder Entscheidungen schneller getroffen werden können.

Dann wird Transformation plötzlich sehr konkret.

Und was hat das mit dem Digitalen Produktpass zu tun?

Mehr, als man zunächst vermuten könnte – und gleichzeitig ist der Digitale Produktpass nur ein Beispiel.

Wenn ein Unternehmen einen DPP umsetzen möchte, tauchen sehr schnell Fragen auf, die weit über den Pass hinausgehen. Welche Produktdaten besitzen wir überhaupt? Wo liegen sie? Wer verantwortet sie? Sind Materialien und Komponenten eindeutig beschrieben? Wie bekommen wir Informationen von Lieferanten? Welche Daten existieren bereits in ERP, PIM, PLM oder Technischer Kommunikation, und warum werden manche davon trotzdem noch manuell zusammengesucht?

Wenn wir diese Fragen sauber beantworten, entsteht nicht nur die Grundlage für einen Digitalen Produktpass. Dieselben Daten können Service, Nachhaltigkeit, Compliance, Technische Kommunikation, Automatisierung und schließlich auch KI verbessern.

Deshalb interessiert mich inzwischen viel mehr die Datenklarheit hinter dem DPP als der Pass allein.

Vielleicht ist das größer als Digitalisierung

Je länger ich darüber nachdenke, desto interessanter finde ich Wilbers vier Perspektiven auch außerhalb von Unternehmen.

In einer Schule reicht hervorragendes Unterrichtsmaterial allein nicht aus. Es braucht neugierige Schüler, entsprechendes Verhalten, eine Gemeinschaft, in der Lernen möglich ist, und Strukturen, die dabei unterstützen. In der Kommunikation genügt eine gute Botschaft nicht, wenn Menschen einander nicht vertrauen oder die richtigen Informationswege fehlen. In Vereinen, Familien oder politischen Organisationen finden wir dieselben Zusammenhänge.

Vielleicht ist das die eigentliche Erkenntnis: Wir versuchen komplexe Probleme gerne mit einer einzelnen Maßnahme zu lösen, obwohl Erfolg meistens aus dem Zusammenspiel mehrerer Perspektiven entsteht.

Auf einem Segelboot sieht man das nur viel schneller.

Der Wind kann perfekt sein. Wenn der Kurs falsch ist, hilft er wenig. Der Kurs kann stimmen. Wenn die Crew nicht funktioniert, verlieren wir trotzdem. Das Boot kann hervorragend sein. Wenn niemand aus den verfügbaren Informationen die richtige Entscheidung ableitet, bleibt seine technische Leistungsfähigkeit ungenutzt.

Und wenn alles zusammenspielt, passiert etwas Faszinierendes: Plötzlich wird aus vielen einzelnen Kräften Geschwindigkeit in eine gemeinsame Richtung.

Ein kleiner Spoiler

Genau diese Gedanken beschäftigen uns gerade auch bei einem eigenen neuen Business. Mit unserem Smart AI-Hub wollen wir nicht einfach die nächste KI auf vorhandene Informationen setzen. Auch dort müssen Menschen, Prozesse, Wissen, Daten, Semantik und Technik zusammenspielen. Wie wir diese Idee konkret umsetzen und was wir dabei selbst lernen, werde ich in den nächsten Wochen erzählen.

Und dann hatte ich noch behauptet, beim Ocean Race irgendwie selbst dabei zu sein.

Das war nicht ganz gelogen. 😉

Ich werde nicht neben Boris Herrmann auf der Malizia sitzen – ich segle virtuell mit. So kann ich mich mit denselben Wetterentwicklungen und strategischen Entscheidungen beschäftigen und zumindest am Bildschirm erleben, wie schwierig es ist, den richtigen Kurs über den Atlantik zu finden.

Wer wissen möchte, wie das funktioniert oder vielleicht sogar selbst mitsegeln möchte, kann mir gerne schreiben. Ich stelle es Euch vor.

Denn vielleicht wird aus dieser Geschichte am Ende noch etwas viel Spannenderes als ein virtuelles Segelrennen.

Gemeinsam Kurs halten. Gemeinsam lernen. Und vielleicht sogar gemeinsam gewinnen. ⛵

Mindset schlägt Maßnahmen – Warum der Koalitionsvertrag 2025 den Wandel verschläft

Bild: Created by FireFly: Symbolic scene of social transformation: A diverse group of people standing on a hill, overlooking a bright, open future. In the background, a city in transition.

Teaser:
Der Koalitionsvertrag 2025 klingt ambitioniert – Investitionen, Innovation, Transformation. Doch wer genauer hinschaut, erkennt: Es ist ein Vertrag des „Weiter so“. Was fehlt, ist das Fundament echter Erneuerung – ein neues Denken. Warum das gefährlich ist, und wie wir es besser machen könnten.


Deutschland 2025 – Warum die alte Denke nicht mehr reicht

Wir leben in einer Zeit fundamentaler Umbrüche: Klimakrise, technologische Disruption, mentale Erschöpfung und gesellschaftliche Spaltung fordern uns heraus wie nie zuvor. Die gute Nachricht: Lösungen sind da – in Form von Technologien, Ideen und engagierten Menschen. Die schlechte: Unsere Denkweise hinkt hinterher.

Transformation ist heute keine Option mehr – sie ist Notwendigkeit. Doch sie beginnt nicht mit Gesetzen. Sie beginnt im Kopf.


Der Koalitionsvertrag 2025: Gute Sprache, schwache Wirkung

Der neue Koalitionsvertrag1 liest sich auf den ersten Blick modern: Es geht um Wasserstoff, Digitalisierung, Start-ups, Bildung, KI und Nachhaltigkeit. Alles wichtige Themen. Doch der Vertrag denkt in den alten Kategorien weiter:

  • Top-down statt Co-Creation.
  • Förderprogramme statt Kulturwandel.
  • Techniklösungen statt ganzheitliche Lernräume.

Das Resultat: ein pragmatischer Verwaltungskurs – aber keine Vision. Kein Mut, echte Strukturen neu zu denken. Kein Raum für die kollektive Lernreise, die wir brauchen.


Transformation wird rein technisch gedacht

Die Maßnahmen konzentrieren sich auf Investitionsfonds, Steuerpolitik, Energiepreise. Doch Transformation ist mehr als Technik und Kapital.

Was fehlt:

  • Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)
  • Future Skills wie Kollaboration, Agilität, Selbstwirksamkeit
  • Räume für Beteiligung, Partizipation und Experimente
  • Neue Führungskultur in Politik, Wirtschaft und Verwaltung
  • Verbindung zu den globalen Nachhaltigkeitszielen (SDGs)

Kurz: Der Wandel wird verwaltet – nicht gestaltet.


Wenn alte Strategien als Lösung verkauft werden

Ein Blick in die wirtschaftspolitischen Forderungen des BVMW zur Bundestagswahl 2025 zeigt ein ähnliches Bild​2 gefordert werden Steuersenkungen, verkürzte Abschreibungsfristen, weniger Bürokratie. Alles klassische Instrumente der Angebotsökonomie – aus einer Zeit, in der man glaubte, Wachstum sei allein durch günstige Rahmenbedingungen erzwingbar.

Doch solche Forderungen greifen zu kurz. Denn sie setzen voraus, dass Unternehmen schon bereit wären für Wandel – und sich nur der Staat ändern müsste. Aber der Wandel beginnt innen: in der Haltung, im Purpose, im Führungsstil, in der Lernbereitschaft von Organisationen selbst.

Wenn wir also wirklich Transformation wollen – in Wirtschaft, Bildung und Gesellschaft – dann braucht es nicht nur neue Gesetze, sondern eine neue Haltung. Und genau die sucht man in vielen Forderungspapieren noch vergeblich.


Warum Mindsets der eigentliche Schlüssel sind

Veränderung scheitert selten an Technik – sondern an Menschen. Genauer gesagt: an ihren Mindsets.

Unsere Gesellschaft ist geprägt von Sicherheitsdenken, Perfektionismus und Fehlervermeidung. Doch was wir jetzt brauchen, ist das Gegenteil:

  • Mut zu Scheitern.
  • Freude am Lernen.
  • Offenheit für Neues.
  • Experimentierfreude.

Studien zeigen: In Deutschland fehlt es an mentaler Veränderungsfähigkeit – über alle Bereiche hinweg: Bildung, Verwaltung, Wirtschaft.

Bildung als Testlabor für den Wandel

Ein Gegenmodell zeigt sich dort, wo Transformation ernst genommen wird – z. B. in Projekten wie Schule im Aufbruch3​.

Hier entstehen ganzheitliche Schulkonzepte auf Basis von:

  • Selbstwirksamkeit statt Leistungsdruck
  • Kollaboration statt Frontalunterricht
  • Sinnorientierung statt Paukerei

Diese Schulen entwickeln sich zu echten Zukunftslaboren – mit Wirkung weit über das Klassenzimmer hinaus. Warum ist das nicht der Standard?


Wo sind die Changemaker?

In allen Bereichen gibt es bereits Menschen, die neues Denken leben: Changemaker. Sie sind mutig, experimentell, kollaborativ, nachhaltig unterwegs. Doch oft bleiben sie an den Rändern, weil Strukturen ihren Ideen keinen Raum geben.

Die Politik müsste diese Menschen nicht nur anhören – sondern ihnen Bühne und Budget geben.

Denn nur mit dieser neuen Haltung kann aus Wandel Bewegung werden. Und aus Bewegung: Transformation.


Gute Veränderung wirkt als Einladung

Wenn Wandel gelingt – sei es in einer Schule, einem Unternehmen oder einer Kommune – entsteht mehr als nur ein neues Ergebnis: Es entsteht ein Vorbild. Und Vorbilder wirken ansteckend.

Transformation wird dann greifbar, wenn andere sehen: „So kann es gehen.“
Das motiviert zum Mitmachen, inspiriert zum Nachahmen und stärkt den Glauben daran, dass Veränderung nicht nur notwendig, sondern auch möglich ist.

Deshalb braucht es mutige Vorangeher*innen – und eine Politik, die diesen Projekten Raum gibt, sie sichtbar macht und ihre Erfahrungen teilt. Denn kein noch so gutes Konzept ersetzt die Kraft echter Geschichten.


Fazit: Der Wandel beginnt nicht im Kanzleramt – sondern in unserem Denken

Der Koalitionsvertrag 2025 ist kein Rückschritt – aber auch kein echter Aufbruch. Er bietet Werkzeuge, aber kein neues Fundament. Er redet von Zukunft – bleibt aber im Gestern verhaftet.

Was fehlt, ist der radikale Perspektivwechsel.

Wenn wir Deutschland zukunftsfähig machen wollen, brauchen wir:

  • Bildung als Motor für Wandel
  • Changemaker als Vorbilder
  • Politik auf Augenhöhe
  • Strukturen, die Lernen ermöglichen
  • Mut zur Unsicherheit
  • Und: gute Beispiele, die Lust auf Nachahmung machen

Oder wie man es einfacher sagen kann:
Wir müssen lernen, neu zu denken.


Deine Meinung?

Was fehlt dir im aktuellen politischen Kurs?
Kennst du Beispiele, wo neues Denken bereits gelebt wird?
Lass es uns wissen – in den Kommentaren oder per Nachricht. Der Diskurs beginnt hier.


  1. https://www.csu.de/politik/beschluesse/koalitionsvertrag-von-cdu-csu-und-spd-2025/%3Fpdf ↩︎
  2. https://www.bvmw.de/uploads/topics/Steuern-und-Finanzen/Downloads/Forderungen-Steuern-und-Finanzen-Bundestagswahl-2025.pdf ↩︎
  3. http://www.schule-im-aufbruch.de ↩︎

Digitaler Wandel ohne Kulturwandel funktioniert nicht

Oktober 2022 – Franz Neumeyer, Coach für Unternehmen im Wandel und Georg Eck, Coach für digitale Informationsstrategien trafen sich in Bad Tölz, um einen Podcast über ganzheitliche Ansätze der digitalen Transformation und der Kulturarbeit im Unternehmen aufzunehmen.

Podcast: Digitaler Wandel ohne Kulturwandel funktioniert nicht
Franz Neumeyer – Wege im Wandel [Link] oder via Spotify [Link].

Was versteht man unter Unternehmenskultur?

Gemeinsame Werte, Normen und Einstellungen beeinflussen das Handeln und die Entscheidungen der einzelnen Personen innerhalb des Unternehmens. Ziele, Führungsstil und die Art der Beziehung zu Kunden, Lieferanten und zwischen Mitarbeitenden ist aus Ausdruck einer Kultur.

Unternehmerische Entscheidungen, wie die Digitalisierungsstrategie, wirken immer auf die Unternehmenskultur zurück. Daher muss diese gelebte Kultur des Unternehmens immer mitgedacht werden. Zumal weitere Themen wie Künstliche Intelligenz (KI) und die Beachtung der Nachhaltigkeit ebenfalls Einfluss auf die Strategie haben.

Warum ist Nachhaltigkeit ein Thema?

Wir kennen die sogenannten Global Goals – die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) auf die sich die Weltgemeinschaft von min. 190 Staaaten geeinigt haben.

Die Digitale Transformation ist Antreiber für mehr Nachhaltigkeit. Beispielsweise intelligente Sensoren benötigen nicht nur weniger Energie, sie liefern heute auch in Echtzeit Daten, um insgesamt eine bessere Energiebilanz zu erreichen und den Ressourcenverbrauch zu minimieren. Vernetzte Systeme und die Menge der Daten verlangen vielleicht Künstliche Intelligenz (KI) – ein Teilaspekt der Digitalisierungsstrategie.

KI wird immer wichtiger

Die Einsatzmöglichkeiten solcher KI-Systeme sind ungeheuer groß und den meisten Menschen gar nicht bewusst. KI ist in der Lage, Informationen aus Daten zu ziehen, die ein Mensch niemals erfassen könnte.

Künstliche Intelligenz wird verschiedenste Prozesse vereinfachen, in die heute noch Menschen eingebunden sind. Sie wird den Menschen entlasten und es ihm ermöglichen, die wertvolle Zeit anderweitig für Aufgaben zu nutzen, für die Digitalisierung (noch) nicht eingesetzt werden kann. Die Tragweite der Auswirkungen auf die Unternehmenskultur wird beträchtlich sein, allerdings darf KI nicht zum Selbstzweck werden, nur weil es eben in aller Munde ist.

Technik ist nur das Werkzeug Herausforderungen und Ziele menschenzentriert, wie wir sagen – vom-Ende-her zu planen und zu lösen.

Wie soll man das Verhältnis von Unternehmenskultur und Strategie beschreiben?[1]

Hier hat der Ökonom Peter Drucker* einen Satz geprägt, der an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt:

„Culture eats strategy for breakfast.“

Daraus leiten wir die Anforderung ab, dass Digitalisierung als Strategie die Unternehmenskultur nicht unterschätzen darf. Die Kultur eines Unternehmens – gilt auch in Verwaltung und in Bildung – kann man verändern, aber nur sehr behutsam und vor allem unter der Berücksichtigung der Faktoren, die für die Unternehmenskultur entscheidend sind (vgl. dazu auch den Blogbeitrag von Michael Rasche: Unternehmenskultur: das Spiel über Bande [Link].

Wenn man die Unternehmenskultur nicht berücksichtigt und eine strategische Entscheidung trifft, dann wird diese Entscheidung in den Bereichen keine Chance haben, in denen sie der aktuellen vorherrschenden Unternehmenskultur nicht entspricht.

Wenn die Digitalisierungsstrategie also zusammen mit dem Wandel der Kultur umgesetzt wird, dann steigen die Erfolgschancen auf eine Zielerreichung erheblich, „sonst wird sie bereits zum Frühstück verspeist.

Kultur kann nicht befohlen werden

Kultur wird von vielen Faktoren geprägt und kann auch mit deren Hilfe beeinflusst werden. Eine der ersten Aufgaben ist es daher, genau dorthin zu sehen, wo die Änderungen stattfinden, Interviews mit den Beteiligten zu machen und die Zielgruppen und deren Bedürfnisse genau zu analysieren.

Entweder in Phasen oder Schritten werden die digitalen und kulturellen Veränderungen mit allen Beteiligten geplant. Ganz wichtig ist der Unternehmer, er lebt die Kultur und hat auch die Gesamtverantwortung.

Es geht nicht darum hierarchische Strukturen oder Befehlsketten durchzusetzen, sondern am runden Tisch auf Augenhöhe, die Ziele gemeinsam zu erarbeiten und zu definieren, dann ist es ein wertvolles Commitment – hier unterstützen wir und begleiten die Prozesse.

Mut zum Wandel

Wir stehen Ihnen jederzeit für Fragen, Einzelgespräche, Coaching und Begleitung der gesamten Digitalen Transformation zur Verfügung.

Ein runder Tisch mit allen Beteiligten braucht Mut und führt zu einem NEU DENKEN – „Innovation durch Potentialentfaltung.“

*) Peter Drucker (1909 – 2005), ursprünglich Österreicher und als Jude in den 30er-Jahren in die USA emigriert, gilt als einer der bedeutendsten Managementdenker des letzten Jahrhunderts.

[1] Buch: Digitialisierung und die Macht der Daten, ISBN: 978-3-7557-6414-4
Verlag BoD [Link]