Die WM war nicht das Problem. Sie hat uns nur einen Spiegel vorgehalten.

Eigentlich wollte ich gar nichts über die Fußball-Weltmeisterschaft schreiben.

Deutschland ist bei der WM 2026 ausgeschieden. Doch vielleicht liegt die eigentliche Ursache weder beim Trainer noch auf dem Spielfeld. Ein Essay darüber, warum Schule, Selbstwirksamkeit und Vertrauen entscheidender für unsere Zukunft sind als jede Taktik.

Nicht, weil sie mich nicht interessiert. Im Gegenteil. Kaum ein anderes Ereignis schafft es, Millionen Menschen gleichzeitig hoffen, jubeln und leiden zu lassen. Aber genau deshalb wollte ich nicht der Nächste sein, der den Bundestrainer analysiert, die Aufstellung hinterfragt oder erklärt, warum Deutschland schon wieder zu früh die Koffer packen musste. Davon gibt es mehr als genug.

Stattdessen möchte ich über Schule sprechen.

Ja, Schule.

Denn ich glaube, dass sich die Ursachen für viele Entwicklungen, die wir heute im Fußball, in der Wirtschaft oder in der Politik beobachten, viel früher zeigen. Nicht auf dem Rasen, sondern dort, wo junge Menschen lernen, wie unsere Gesellschaft funktioniert.

„Gesellschaften verlieren ihre Zukunft nicht auf dem Fußballplatz. Sie verlieren sie dort, wo Menschen aufhören zu glauben, dass ihr eigenes Handeln einen Unterschied macht.“

Warum ich lieber über Schule spreche

Der Philosoph Christoph Quarch hat nach dem WM-Aus einen Gedanken formuliert (Newsletter: Wirtschaft neu denken), der mich beschäftigt hat. Sinngemäß beschreibt er, dass wir das Spiel retten müssen. Während viele diesen Satz ausschließlich auf den Fußball beziehen, habe ich ihn ganz anders gelesen. Für mich geht es um etwas Größeres. Es geht um die Freude am Gestalten, um die Lust am Ausprobieren und um die Leidenschaft, gemeinsam etwas zu schaffen. Genau diese Haltung entscheidet nämlich nicht nur über Fußballspiele, sondern darüber, wie innovativ eine Gesellschaft ist, wie mutig Unternehmen handeln und wie selbstbewusst junge Menschen ihren eigenen Weg gehen.

Vielleicht beginnt genau hier unser eigentliches Problem.

Wenn das Spiel mehr ist als Fußball

Stellen wir uns für einen Moment ein ganz gewöhnliches Klassenzimmer vor. Eine Schülerin hebt die Hand, weil sie eine Idee hat. Vielleicht ist sie noch nicht ausgereift, vielleicht ungewöhnlich oder sogar völlig verrückt. Doch noch bevor der Gedanke richtig ausgesprochen ist, folgt häufig der gut gemeinte Hinweis, dass es dafür bereits einen bewährten Weg gibt. Niemand meint es böse. Lehrerinnen und Lehrer wollen Orientierung geben, Sicherheit vermitteln und den Unterricht strukturieren. Trotzdem passiert dabei etwas, das uns oft gar nicht bewusst ist: Wir lernen früh, dass es wichtiger ist, Fehler zu vermeiden, als neue Wege auszuprobieren.

Dieses Muster begleitet uns erstaunlich lange.

Wo wir verlernen, neu zu denken

Im Unternehmen nennen wir es Prozesssicherheit. In der Verwaltung sprechen wir von Vorschriften. In der Politik heißt es Zuständigkeit. Im Fußball reden wir von Disziplin und taktischer Ordnung. Die Begriffe unterscheiden sich, das dahinterliegende Denken ist jedoch erstaunlich ähnlich. Kontrolle gibt Sicherheit. Sie schafft Verlässlichkeit. Aber sie erzeugt nur selten Begeisterung.

Kontrolle gibt Sicherheit, aber selten Begeisterung

Und genau hier kommt ein Begriff ins Spiel, über den wir viel zu selten sprechen: Selbstwirksamkeit.

Selbstwirksamkeit bedeutet, zu erleben, dass das eigene Handeln etwas verändert. Dass die eigene Idee zählt. Dass eine Entscheidung Konsequenzen hat. Wer diese Erfahrung macht, entwickelt Vertrauen in sich selbst. Wer Vertrauen in sich selbst entwickelt, übernimmt Verantwortung. Und wer Verantwortung übernimmt, braucht irgendwann niemanden mehr, der ihn ständig antreibt.

Vielleicht ist das der eigentliche Unterschied zwischen einer Gesellschaft, die verwaltet, und einer Gesellschaft, die gestaltet.

Selbstwirksamkeit: Der unterschätzte Rohstoff einer Gesellschaft

Ich beobachte in Unternehmen seit Jahren etwas Spannendes. Die erfolgreichsten Teams bestehen selten aus den klügsten Köpfen oder den Menschen mit den beeindruckendsten Lebensläufen. Sie bestehen aus Menschen, die Verantwortung übernehmen wollen. Menschen, die sich trauen, eine Idee auszusprechen, obwohl sie noch nicht perfekt ist. Menschen, die lieber einen Fehler machen, als gar nichts zu versuchen.

Woher kommt diese Haltung?

Ganz sicher nicht aus einer PowerPoint-Präsentation über Unternehmenskultur.

Sie entsteht viel früher.

Sie entsteht dort, wo Kinder erleben, dass ihre Meinung zählt. Wo Lehrkräfte nicht nur Wissen vermitteln, sondern Vertrauen schenken. Wo Eltern nicht jede Stolperfalle aus dem Weg räumen, sondern ihre Kinder ermutigen, selbst aufzustehen. Und sie entsteht dort, wo Führungskräfte nicht jede Entscheidung kontrollieren, sondern Menschen zutrauen, selbst die richtige Entscheidung zu treffen.

Warum Unternehmen Menschen suchen, die Verantwortung übernehmen

Vielleicht ist genau das die größte Herausforderung unserer Zeit. Wir reden ununterbrochen über Fachkräftemangel, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Wettbewerbsfähigkeit. Alles wichtige Themen. Aber kaum jemand spricht darüber, welche Haltung wir eigentlich fördern wollen.

Wollen wir Menschen, die perfekt funktionieren?

Oder wollen wir Menschen, die Verantwortung übernehmen?

Wollen wir junge Menschen, die auf Anweisungen warten?

Oder Menschen, die sagen: „Ich probiere es einfach.“

Ich glaube, dass diese Frage über unsere Zukunft entscheidet.

Die eigentliche Zukunftsfrage

Deshalb glaube ich auch nicht, dass Deutschland das Fußballspielen verlernt hat. Unsere Kinder sind nicht weniger talentiert als früher. Unsere Unternehmen sind nicht plötzlich ideenlos geworden. Und unsere Gesellschaft hat ihre Kreativität ganz bestimmt nicht verloren.

Vielleicht haben wir sie nur ein wenig zugedeckt.

Mit Vorschriften.

Mit Absicherungen.

Mit der Angst, Fehler könnten schlimmer sein als Stillstand.

Deutschland hat seine Kreativität nicht verloren

Dabei zeigt uns jede Innovation der Geschichte etwas anderes. Kein großes Unternehmen wurde gegründet, weil jemand auf die perfekte Gelegenheit gewartet hat. Kein Weltmeister wurde Weltmeister, weil er ausschließlich auf Nummer sicher gespielt hat. Und keine gesellschaftliche Veränderung begann mit dem Satz: „Das haben wir schon immer so gemacht.“

Sie begann immer mit Menschen, die den Mut hatten, den ersten Schritt zu gehen.

Innovation beginnt nicht mit Perfektion

Und genau deshalb sehe ich die Fußball-Weltmeisterschaft heute nicht als sportliches Ereignis. Sie ist für mich ein Spiegel. Sie zeigt uns nicht nur, wie eine Mannschaft gespielt hat. Sie zeigt uns, welche Kultur wir über viele Jahre entwickelt haben. Eine Kultur, die an vielen Stellen Sicherheit höher bewertet als Neugier, Kontrolle höher als Vertrauen und Perfektion höher als Entwicklung.

Was uns die WM wirklich zeigt

Die gute Nachricht ist: Ein Spiegel zeigt keine Zukunft.

Er zeigt nur den Moment.

Und genau deshalb liegt es an uns, das Bild zu verändern.

Nicht durch eine neue Schulreform.

Nicht durch den nächsten Bundestrainer.

Nicht durch noch eine Strategie für die Wirtschaft.

Sondern indem wir wieder lernen, Menschen etwas zuzutrauen.

Ein Spiegel zeigt keine Zukunft

Selbstwirksamkeit beginnt nicht in Vorstandsetagen. Sie beginnt im Klassenzimmer. Verantwortungsbewusstsein entsteht nicht durch Appelle, sondern durch Vertrauen. Und Leidenschaft entsteht nicht dort, wo Menschen alles richtig machen müssen, sondern dort, wo sie erleben dürfen, dass ihr eigenes Handeln einen Unterschied macht.

Vielleicht gewinnen wir dann irgendwann auch wieder Weltmeisterschaften.

Viel wichtiger ist jedoch, dass wir wieder eine Gesellschaft werden, die Lust auf Zukunft macht.

Corona – Was können wir daraus lernen?

Es gibt keine ‘Corona-Krise’, sondern eine Krise unserer Gesellschaft, in vielen Teilen.

Die gute Nachricht vorab: Wir Menschen lernen in jedem Alter, wenn etwas bedeutsam ist. Es werden die emotionalen Zentren aktiviert, denn die Lernerfahrung wird mit Gefühlen verknüpft, ansonsten vergessen wir das Gelernte wieder leicht. Dies unterscheidet den Menschen von anderen sozial lebenden Säugetieren, auch wenn der Mensch zuerst durch die direkte Vermittlung, durch Ausprobieren, Nachmachen und über die Sprache beginnt zu lernen.

Wie können wir also aus einer Krise lernen? Wer jetzt vermutet, hier werden Verschwörungstheorien, Rechtes oder Linkes Gedankengut verbreitet, der wird leider enttäuscht sein. Auch wird hier nicht für oder gegen Masken argumentiert, noch geht es um die Krankheit COVID-19 selbst. Sondern, es geht um den Blick auf unser Zusammenleben und wie wir in der Mitte unserer Gesellschaft, in der Politik, in der Wirtschaft und in der Bildung daraus etwas lernen können – wenn wir es denn nur könnten. Blicken wir nun hinter die Kulissen!

Nach Corona – die Welt ist eine Andere

Bereits am 16. März 2020 veröffentlichte Matthias Horx – Trend- und Zukunftsforscher, Publizist und Visionär – einen Artikel: 48 – Die Welt nach Corona (Link), wo er in einer rückblickenden Vorausschau aus der Sicht im Herbst 2020 den Blick zurückwirft auf den März 2020 und staunt, was wir alles in kurzer Zeit gelernt und geändert haben: Die Welt ist eine Andere – Ängste wurden überwunden, lang aufgeschobene Entscheidungen wurden und werden umgesetzt, Neues Denken zieht in die Wirtschaft und Politik ein, die Erde, die Lebewesen stehen im Mittelpunkt, … 

Fantastisch! Ist dies etwa wirklich so einfach? 

Ein Rückblick in die Zeit vor Corona

Wir Menschen sind sozial lebende Wesen und sind durch unsere Erziehung, Erfahrungen und Ziele in der aktuellen Gesellschaft so konditioniert, so dass sich viele von uns immer mehr auf der Autobahn der Gewinnmaximierung und des Konsums bewegen. Die Strategien von gestern haben uns zwar auf den Mond gebracht, auch gab es lange Friedenszeiten in einigen Teilen der Welt, vor allem haben sie uns eine Welt des Luxus und der Bequemlichkeit beschert. 

Die deutsche Wirtschaft bricht immer weitere Rekorde, teils durch Outsourcing, denn in China wird schließlich günstig gefertigt, auch wenn damit die Transportkosten per Schiff und Flugzeug noch dazu kommen. Unmerklich wird zwar die Digitalisierung verschlafen, dennoch Umsatz- und Ertragszahlen sind gut – noch nie ging es Deutschland so gut wie eben, noch nie flogen sie viele Flugzeuge um den Erdball.

Wir haben Bildung optimiert, in dem wir bereits in der Kita anfangen den Übertritt auf das Gymnasium zu organisieren. Das Wort Stress wird weniger mit Materialprüfungen in Zusammenhang gebracht als mit fatalen Folgen bei Menschen und wir staunen, wenn viele junge Menschen nicht wissen, was sie nach der Schule machen wollen, sondern nur einige wenige eine Berufung gefunden haben und dies engagiert angehen. 

Einerseits fordern schon seit Jahren Wirtschaftsverbände klare Verbesserungen an Schulen, andererseits sehen eine Reihe von Weiterforschenden und Initiativen die Schule im letzten Jahrhundert als stecken geblieben und wollen Schule grundlegend verändern. Das Buch von Michael Winterhoff: “Deutschland verdummt“ zeigt die Zerrissenheit in der Bildung auf. Schulen, Lehrpäne wurden geändert, aber nicht das Konzept.

Wir haben mit Hilfe der Politik die Pflegeeinrichtungen rationalisiert, reduzieren das Menschenwohl wie das Tierwohl zum Objekt, so dass kein Zweifel mehr aufkommt: “Wir haben alles im Griff.” Die Klinikschließungen vor Jahren und Skandale in Pflegeeinrichtungen sind unmerklich an uns vorbeigegangen, auch wenn sie auf Kosten der Patienten und der Belegschaft gingen. 

Wir haben zentralistische Schlachthöfe etabliert, die wahnwitzige Preise und Mengen garantieren, damit einher ging eine Spirale der Optimierung bei Mitarbeitern und im Arbeitsprozess. Bei Bekanntwerden von Missständen gibt es immer wieder Demonstrationen oder Petitionen, aber was ändert sich wirklich? 

Wir stellen fest, dass die Medien, die sogenannte vierte Kraft in der Demokratie, sich immer weniger kritisch und leidenschaftlich mit den wichtigen Themen  auseinandersetzt, hinterfragt, aufdeckt und damit Politik bewegen kann. Vielleicht liegt es an den Marktmechanismen, die auch hier gelten, der Kampf um die Auflage. Doch es fragt sich, wer will noch etwas verändern? Lernen wir nichts aus dem was passiert?

Corona verändert alles

Dann kam Corona – kein Schnupfen wie jeder andere – aber ES verbreitet sich explosionsartig um die globale Welt, schneller als der Klimawandel, schneller als der Hunger oder die Armut in der Welt, schneller als Wirtschaft, Politik oder Bildung reagieren können. Es kommt zum Stillstand – zum Innehalten hier oder zu neuen Strategien im Umgang dort – wir wissen nicht, was richtig oder falsch ist. 

‘Corona’ entpuppt sich allerdings als Brennglas auf bekannte Missstände und ruft die Politik auf den Plan, außerdem wird der zunehmende Verlust von Selbstverantwortung sichtbarer. ‘Vielleicht haben wir zu wenig Krankenbetten’ und es wird kräftig Luft ins System geblasen, der weitere Wandel im Kranken- und Pflegesystem bleibt bisher unberührt. 

Schlachthöfe stehen auf einmal wegen den Arbeitsbedingungen im Fokus der Öffentlichkeit,  jetzt will die Politik durchgreifen, das Tierwohl und die Infragestellung des hohen Fleischkonsums bleiben erst Mal wieder auf der Strecke.

Angst lähmt nun viele Bereiche unseres Zusammenlebens, bei sozialen Kontakten, in der Bildung und in den Kindergärten, in den Pflegeeinrichtungen – mit Klatschen erhält man zwar  kurzfristig Anerkennung, aber das wird auf Dauer nicht helfen, denn überall ist ein Wandel gefordert. Inzwischen haben die Kultusministerien in 16 Bundesländern, 16 verschiedene Strategien mit Corona festgelegt, was offenbart, wie kläglich wir mit Bildung und Zukunft umgehen. 

Die Lage mobilisiert jetzt auch Menschen, die bisher sich weder politisch engagiert, noch irgendwie auffällig verhalten haben. Die einen demonstrieren Rechts mit Links oder mit Verschwörungstheoretikern. Einige für Freiheit, andere für Schule, wieder andere für das Leben mit den Sustainable Development Goals, den sogenannten Global Goals, die in der Mitte unserer Gesellschaft gelebt werden müssten, aber schon vor Corona kaum Beachtung gefunden haben, bis auf bei ‘Friday for Future.’ Das alles führt zu einer weiteren Spaltung der Gesellschaft.

Übrigens: Gestern 22. August 2020 war Overshoot Day (Erdüberlastungstag) für Deutschland, d.h. ab heute sind alle Ressourcen der Erde verbraucht, die die Ökosysteme in einem Jahr erneuern können. Wir stoßen mehr CO2 aus, als alle Wälder und Ozeane aufnehmen können. Durch Corona machen wir “erst” 3 Wochen später Ökoschulden als 2019. 

[https://www.overshootday.org/]

Manche Wirtschaftsbereiche wie Hotel, Bars, Gaststätten, eine ganze Branche der Künstler leiden unter der jetzigen Situation, sie können zwar teilweise mit den staatlichen Hilfen eine Zeit überbrücken, aber sie erkennen aus eigenen Antrieb auch, dass sie neue Wege finden und neue Ideen ausprobieren müssen. Ob sie es überstehen, werden wir noch sehen, das hängt auch von unserer Gesellschaft, von uns und der Politik ab, wie sie nun die Zukunft und den Wandel in den Mittelpunkt stellt und wir alle daraus lernen.

Die Politik ist vor immer neue Herausforderungen gestellt, sie versucht zu schützen, zu erklären, sie sucht nach wirtschaftlichen Lösungen und ist gefordert mit der Dynamik mitzuhalten und mit den Bewertungen aus allen Richtungen umzugehen. Viele sind vielleicht mit der Komplexität überfordert und es fällt auf, dass das Unvermögen in der Zukunftsgestaltung in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen hat. Dieses Unvermögen zeigt sich besonders bei den Verantwortlichen, die die notwendigen Planungen demokratisch, transparent und mit einer Potentialentfaltung und Diversität in einem größeren Team angehen sollten, aber es nicht tun. 

Stattdessen werden immer mehr Vorschriften erlassen, Strafen aufgestellt, denn das hat früher schon funktioniert. Immer schneller werden neue Ziele formuliert, wie die Digitalisierung der Schulen, was aber dann doch die Kommunen und die Schulen letztendlich alleine organisieren und regeln müssen. Viele fragen sich, wo ist der Masterplan, welche Fachkompetenzen sind hier mit einbezogen? Wo ist der Abstimmungsprozess? 

Was können wir daraus lernen? Wenn nicht jetzt, wann dann?

Die Vorstellung einer besseren Zukunft wird durch die Einbeziehung der Global Goals in der Mitte der Gesellschaft, der Wirtschaft und in der Bildung klarer werden. Diese 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung werden unser Leben positiv verändern.

Wir werden uns nun breiter vernetzen, Initiativen und Betroffene mit einbeziehen, um uns, mit einer gemeinsamen Verantwortung für unsere Zukunft auf den Weg zu machen und zwar alle zusammen.

Thomas Sattelberger sagte im Film ALPHABET 2013 (Link): “Die Verkürzung des Lebens auf die Ökonomie ist eine der schlimmsten Entwicklungen unserer heutigen Zeit.” Wir werden Menschen und Tiere wieder als Subjekte wahrnehmen und Strategien entwickeln, wie wir die eigene Selbstverantwortung, den Respekt und die gegenseitige Rücksichtnahme in unserer Gesellschaft wieder herstellen, die sich heutzutage so egoistisch konditioniert zeigt.

Matthias Horx schreibt: “Politik in ihrem Ur-Sinne als Formung gesellschaftlicher Verantwortlichkeiten bekam in dieser Krise eine neue Glaubwürdigkeit, eine neue Legitimität.”

Reicht das wirklich aus? Muss die Politik und Wirtschaft nicht auch lernen, dass wir heute auf Grund wachsender Komplexität andere Strategien für Kommunikation und Entscheidungen brauchen und dass wir die Menschen mitnehmen müssen, ob beim Wandel im Verkehrswesen, in der Digitalisierung oder in ihrem Wohlergehen? Alles wird nur dann die Gesellschaft durchdringen, wenn die Potentiale von kompetenten Menschen und Betroffenen zur Entfaltung kommen und dann die besten Lösungen gefunden werden.

Dieses Neue Denken wird die Zukunft vor Augen haben und wir, mit Respekt und Augenhöhe, zu Gestaltern unseres Miteinanders werden. Führen ist nicht das gleiche wie Anordnen oder Aussitzen. Führen bedeutet, intelligent die Potentiale aller zu bündeln und gemeinsam Ziele umzusetzen. Wenn wir die Welt besser machen wollen, dann ist die Zukunft unserer 10 Mio Schülerinnen und Schüler und die der 1 Mio Lehrerinnen und Lehrer in den Mittelpunkt zu stellen und Bildung ist neu zu gestalten. In 16 Bundesländern wird eine klare Botschaft für ein Miteinander nötig, denn Lernen ist dann erfolgreich, wenn alle Lernenden, Begleitenden und Lehrenden Teil einer sozialen Gruppe sind, dann nennt man es Social Learning und nicht Home Schooling.

Dann können wir auch unsere sozialen und pflegerischen Einrichtungen in einem anderen Licht sehen. Wir werden Menschen, die Schutz benötigen, der gesellschaftlich organisiert werden muss, ob wegen Corona oder anderer Gefahren, intelligent schützen können. Wir werden Menschen, die in diesen Einrichtung arbeiten, mit Wertschätzung behandeln und bezahlen, auch Praktikanten.

Wenn wir, die Politik, die Wirtschaft und jeder Einzelne realisiert haben, dass unser Fortbestehen nicht vom Status Quo abhängt, sondern vom gemeinsamen Gestalten, wenn wir uns gegenseitig einladen, unsere Potentiale zu entdecken und in die Tat umzusetzen, dann wird Matthias Horx recht behalten, erst dann werden wir alle auch noch kommenden Krisen und Herausforderungen lösen und Transformationen erfolgreicher umsetzen.

Wenn allerdings elitäre Lösungsversuche, Gewinnsucht immer wieder in den Mittelpunkt rücken, werden diese Protagonisten die Resultate ihrer Bestrebungen kaum persönlich zu spüren bekommen, aber die breite Bevölkerung. Solche strategischen und individualistischen Fehlentscheidungen und Lösungsversuche hinterlassen wesentlich deutlichere Verletzungen, sie werden viel mehr kosten und werden neue Konditionierungen hinterlassen, die unser Leben und das Lernen weiter beeinträchtigen werden.

Und wer spricht noch über die Kunst? War und ist nicht Kunst und Musik eine Form von Kommunikation? Kunst und Musik kennt seit Jahrtausenden keine Grenzen, ist etwas für die Seele und ist zutiefst sozial wertvoll. Es stimmt schon, dass einige sagen: “Kunst ist nicht alles, aber ohne Kunst ist alles nichts.” Es stimmt allerdings auch: “Die Zukunft, die wir wollen, muss erfunden werden. Sonst bekommen wir eine, die wir nicht wollen.“ Joseph Beuys und Lernkultur Nürnberg.

Wir können aus der Krise der Gesellschaft lernen und die Transformation in vielen Bereichen jetzt umsetzen. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Photo: Photocreo Bednarek (Adobe Stock) lizensiert