Mindset schlägt Maßnahmen – Warum der Koalitionsvertrag 2025 den Wandel verschläft

Bild: Created by FireFly: Symbolic scene of social transformation: A diverse group of people standing on a hill, overlooking a bright, open future. In the background, a city in transition.

Teaser:
Der Koalitionsvertrag 2025 klingt ambitioniert – Investitionen, Innovation, Transformation. Doch wer genauer hinschaut, erkennt: Es ist ein Vertrag des „Weiter so“. Was fehlt, ist das Fundament echter Erneuerung – ein neues Denken. Warum das gefährlich ist, und wie wir es besser machen könnten.


Deutschland 2025 – Warum die alte Denke nicht mehr reicht

Wir leben in einer Zeit fundamentaler Umbrüche: Klimakrise, technologische Disruption, mentale Erschöpfung und gesellschaftliche Spaltung fordern uns heraus wie nie zuvor. Die gute Nachricht: Lösungen sind da – in Form von Technologien, Ideen und engagierten Menschen. Die schlechte: Unsere Denkweise hinkt hinterher.

Transformation ist heute keine Option mehr – sie ist Notwendigkeit. Doch sie beginnt nicht mit Gesetzen. Sie beginnt im Kopf.


Der Koalitionsvertrag 2025: Gute Sprache, schwache Wirkung

Der neue Koalitionsvertrag1 liest sich auf den ersten Blick modern: Es geht um Wasserstoff, Digitalisierung, Start-ups, Bildung, KI und Nachhaltigkeit. Alles wichtige Themen. Doch der Vertrag denkt in den alten Kategorien weiter:

  • Top-down statt Co-Creation.
  • Förderprogramme statt Kulturwandel.
  • Techniklösungen statt ganzheitliche Lernräume.

Das Resultat: ein pragmatischer Verwaltungskurs – aber keine Vision. Kein Mut, echte Strukturen neu zu denken. Kein Raum für die kollektive Lernreise, die wir brauchen.


Transformation wird rein technisch gedacht

Die Maßnahmen konzentrieren sich auf Investitionsfonds, Steuerpolitik, Energiepreise. Doch Transformation ist mehr als Technik und Kapital.

Was fehlt:

  • Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)
  • Future Skills wie Kollaboration, Agilität, Selbstwirksamkeit
  • Räume für Beteiligung, Partizipation und Experimente
  • Neue Führungskultur in Politik, Wirtschaft und Verwaltung
  • Verbindung zu den globalen Nachhaltigkeitszielen (SDGs)

Kurz: Der Wandel wird verwaltet – nicht gestaltet.


Wenn alte Strategien als Lösung verkauft werden

Ein Blick in die wirtschaftspolitischen Forderungen des BVMW zur Bundestagswahl 2025 zeigt ein ähnliches Bild​2 gefordert werden Steuersenkungen, verkürzte Abschreibungsfristen, weniger Bürokratie. Alles klassische Instrumente der Angebotsökonomie – aus einer Zeit, in der man glaubte, Wachstum sei allein durch günstige Rahmenbedingungen erzwingbar.

Doch solche Forderungen greifen zu kurz. Denn sie setzen voraus, dass Unternehmen schon bereit wären für Wandel – und sich nur der Staat ändern müsste. Aber der Wandel beginnt innen: in der Haltung, im Purpose, im Führungsstil, in der Lernbereitschaft von Organisationen selbst.

Wenn wir also wirklich Transformation wollen – in Wirtschaft, Bildung und Gesellschaft – dann braucht es nicht nur neue Gesetze, sondern eine neue Haltung. Und genau die sucht man in vielen Forderungspapieren noch vergeblich.


Warum Mindsets der eigentliche Schlüssel sind

Veränderung scheitert selten an Technik – sondern an Menschen. Genauer gesagt: an ihren Mindsets.

Unsere Gesellschaft ist geprägt von Sicherheitsdenken, Perfektionismus und Fehlervermeidung. Doch was wir jetzt brauchen, ist das Gegenteil:

  • Mut zu Scheitern.
  • Freude am Lernen.
  • Offenheit für Neues.
  • Experimentierfreude.

Studien zeigen: In Deutschland fehlt es an mentaler Veränderungsfähigkeit – über alle Bereiche hinweg: Bildung, Verwaltung, Wirtschaft.

Bildung als Testlabor für den Wandel

Ein Gegenmodell zeigt sich dort, wo Transformation ernst genommen wird – z. B. in Projekten wie Schule im Aufbruch3​.

Hier entstehen ganzheitliche Schulkonzepte auf Basis von:

  • Selbstwirksamkeit statt Leistungsdruck
  • Kollaboration statt Frontalunterricht
  • Sinnorientierung statt Paukerei

Diese Schulen entwickeln sich zu echten Zukunftslaboren – mit Wirkung weit über das Klassenzimmer hinaus. Warum ist das nicht der Standard?


Wo sind die Changemaker?

In allen Bereichen gibt es bereits Menschen, die neues Denken leben: Changemaker. Sie sind mutig, experimentell, kollaborativ, nachhaltig unterwegs. Doch oft bleiben sie an den Rändern, weil Strukturen ihren Ideen keinen Raum geben.

Die Politik müsste diese Menschen nicht nur anhören – sondern ihnen Bühne und Budget geben.

Denn nur mit dieser neuen Haltung kann aus Wandel Bewegung werden. Und aus Bewegung: Transformation.


Gute Veränderung wirkt als Einladung

Wenn Wandel gelingt – sei es in einer Schule, einem Unternehmen oder einer Kommune – entsteht mehr als nur ein neues Ergebnis: Es entsteht ein Vorbild. Und Vorbilder wirken ansteckend.

Transformation wird dann greifbar, wenn andere sehen: „So kann es gehen.“
Das motiviert zum Mitmachen, inspiriert zum Nachahmen und stärkt den Glauben daran, dass Veränderung nicht nur notwendig, sondern auch möglich ist.

Deshalb braucht es mutige Vorangeher*innen – und eine Politik, die diesen Projekten Raum gibt, sie sichtbar macht und ihre Erfahrungen teilt. Denn kein noch so gutes Konzept ersetzt die Kraft echter Geschichten.


Fazit: Der Wandel beginnt nicht im Kanzleramt – sondern in unserem Denken

Der Koalitionsvertrag 2025 ist kein Rückschritt – aber auch kein echter Aufbruch. Er bietet Werkzeuge, aber kein neues Fundament. Er redet von Zukunft – bleibt aber im Gestern verhaftet.

Was fehlt, ist der radikale Perspektivwechsel.

Wenn wir Deutschland zukunftsfähig machen wollen, brauchen wir:

  • Bildung als Motor für Wandel
  • Changemaker als Vorbilder
  • Politik auf Augenhöhe
  • Strukturen, die Lernen ermöglichen
  • Mut zur Unsicherheit
  • Und: gute Beispiele, die Lust auf Nachahmung machen

Oder wie man es einfacher sagen kann:
Wir müssen lernen, neu zu denken.


Deine Meinung?

Was fehlt dir im aktuellen politischen Kurs?
Kennst du Beispiele, wo neues Denken bereits gelebt wird?
Lass es uns wissen – in den Kommentaren oder per Nachricht. Der Diskurs beginnt hier.


  1. https://www.csu.de/politik/beschluesse/koalitionsvertrag-von-cdu-csu-und-spd-2025/%3Fpdf ↩︎
  2. https://www.bvmw.de/uploads/topics/Steuern-und-Finanzen/Downloads/Forderungen-Steuern-und-Finanzen-Bundestagswahl-2025.pdf ↩︎
  3. http://www.schule-im-aufbruch.de ↩︎

Digitaler Wandel ohne Kulturwandel funktioniert nicht

Oktober 2022 – Franz Neumeyer, Coach für Unternehmen im Wandel und Georg Eck, Coach für digitale Informationsstrategien trafen sich in Bad Tölz, um einen Podcast über ganzheitliche Ansätze der digitalen Transformation und der Kulturarbeit im Unternehmen aufzunehmen.

Podcast: Digitaler Wandel ohne Kulturwandel funktioniert nicht
Franz Neumeyer – Wege im Wandel [Link] oder via Spotify [Link].

Was versteht man unter Unternehmenskultur?

Gemeinsame Werte, Normen und Einstellungen beeinflussen das Handeln und die Entscheidungen der einzelnen Personen innerhalb des Unternehmens. Ziele, Führungsstil und die Art der Beziehung zu Kunden, Lieferanten und zwischen Mitarbeitenden ist aus Ausdruck einer Kultur.

Unternehmerische Entscheidungen, wie die Digitalisierungsstrategie, wirken immer auf die Unternehmenskultur zurück. Daher muss diese gelebte Kultur des Unternehmens immer mitgedacht werden. Zumal weitere Themen wie Künstliche Intelligenz (KI) und die Beachtung der Nachhaltigkeit ebenfalls Einfluss auf die Strategie haben.

Warum ist Nachhaltigkeit ein Thema?

Wir kennen die sogenannten Global Goals – die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) auf die sich die Weltgemeinschaft von min. 190 Staaaten geeinigt haben.

Die Digitale Transformation ist Antreiber für mehr Nachhaltigkeit. Beispielsweise intelligente Sensoren benötigen nicht nur weniger Energie, sie liefern heute auch in Echtzeit Daten, um insgesamt eine bessere Energiebilanz zu erreichen und den Ressourcenverbrauch zu minimieren. Vernetzte Systeme und die Menge der Daten verlangen vielleicht Künstliche Intelligenz (KI) – ein Teilaspekt der Digitalisierungsstrategie.

KI wird immer wichtiger

Die Einsatzmöglichkeiten solcher KI-Systeme sind ungeheuer groß und den meisten Menschen gar nicht bewusst. KI ist in der Lage, Informationen aus Daten zu ziehen, die ein Mensch niemals erfassen könnte.

Künstliche Intelligenz wird verschiedenste Prozesse vereinfachen, in die heute noch Menschen eingebunden sind. Sie wird den Menschen entlasten und es ihm ermöglichen, die wertvolle Zeit anderweitig für Aufgaben zu nutzen, für die Digitalisierung (noch) nicht eingesetzt werden kann. Die Tragweite der Auswirkungen auf die Unternehmenskultur wird beträchtlich sein, allerdings darf KI nicht zum Selbstzweck werden, nur weil es eben in aller Munde ist.

Technik ist nur das Werkzeug Herausforderungen und Ziele menschenzentriert, wie wir sagen – vom-Ende-her zu planen und zu lösen.

Wie soll man das Verhältnis von Unternehmenskultur und Strategie beschreiben?[1]

Hier hat der Ökonom Peter Drucker* einen Satz geprägt, der an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt:

„Culture eats strategy for breakfast.“

Daraus leiten wir die Anforderung ab, dass Digitalisierung als Strategie die Unternehmenskultur nicht unterschätzen darf. Die Kultur eines Unternehmens – gilt auch in Verwaltung und in Bildung – kann man verändern, aber nur sehr behutsam und vor allem unter der Berücksichtigung der Faktoren, die für die Unternehmenskultur entscheidend sind (vgl. dazu auch den Blogbeitrag von Michael Rasche: Unternehmenskultur: das Spiel über Bande [Link].

Wenn man die Unternehmenskultur nicht berücksichtigt und eine strategische Entscheidung trifft, dann wird diese Entscheidung in den Bereichen keine Chance haben, in denen sie der aktuellen vorherrschenden Unternehmenskultur nicht entspricht.

Wenn die Digitalisierungsstrategie also zusammen mit dem Wandel der Kultur umgesetzt wird, dann steigen die Erfolgschancen auf eine Zielerreichung erheblich, „sonst wird sie bereits zum Frühstück verspeist.

Kultur kann nicht befohlen werden

Kultur wird von vielen Faktoren geprägt und kann auch mit deren Hilfe beeinflusst werden. Eine der ersten Aufgaben ist es daher, genau dorthin zu sehen, wo die Änderungen stattfinden, Interviews mit den Beteiligten zu machen und die Zielgruppen und deren Bedürfnisse genau zu analysieren.

Entweder in Phasen oder Schritten werden die digitalen und kulturellen Veränderungen mit allen Beteiligten geplant. Ganz wichtig ist der Unternehmer, er lebt die Kultur und hat auch die Gesamtverantwortung.

Es geht nicht darum hierarchische Strukturen oder Befehlsketten durchzusetzen, sondern am runden Tisch auf Augenhöhe, die Ziele gemeinsam zu erarbeiten und zu definieren, dann ist es ein wertvolles Commitment – hier unterstützen wir und begleiten die Prozesse.

Mut zum Wandel

Wir stehen Ihnen jederzeit für Fragen, Einzelgespräche, Coaching und Begleitung der gesamten Digitalen Transformation zur Verfügung.

Ein runder Tisch mit allen Beteiligten braucht Mut und führt zu einem NEU DENKEN – „Innovation durch Potentialentfaltung.“

*) Peter Drucker (1909 – 2005), ursprünglich Österreicher und als Jude in den 30er-Jahren in die USA emigriert, gilt als einer der bedeutendsten Managementdenker des letzten Jahrhunderts.

[1] Buch: Digitialisierung und die Macht der Daten, ISBN: 978-3-7557-6414-4
Verlag BoD [Link]