Ist die Zukunft – JETZT?

8. Juni „JETZT ist die Zeit“ mir scheint, man sagt diese Worte immer öfters. Meine Neugier, meine Freude, aber auch die Nervösität wachsen eben, denn ich bin zu einer Podiumsdiskussion eingeladen und bereite mich eben vor. Das Wort „JETZT“ unterstreicht vielleicht die Dringlichkeit einer Handlung. Angesichts der vielen Herausforderungen, vor denen wir stehen, wie z. B. der Klimawandel, soziale Ungerechtigkeit oder technologische Entwicklungen in der Digitalisierung, kann die Betonung der Dringlichkeit dazu dienen, Menschen zum Handeln zu motivieren.

Der gegenwärtige Moment bietet eine besondere Chance und ein großes Potenzial über Veränderungen zu diskutieren. Wir Menschen sind in der Lage, positive Veränderungen herbeizuführen und die Zukunft aktiv zu gestalten, ob in der Familie, in der Gesellschaft, in der Wirtschaft oder in der Bildung. Dies kann dazu ermutigen, Möglichkeiten zu erkennen und zu nutzen, die sich im gegenwärtigen Moment bieten. Immer mehr Menschen erkennen, dass Veränderungen notwendig sind, sei es auf individueller, gesellschaftlicher oder globaler Ebene. Die Aussage kann als Aufforderung dienen, dass wir unsere Denkweise, Werte und Handlungen überdenken und uns für positive Veränderungen engagieren sollten.

Eine philosophische Perspektive ist die Betrachtung der Zeit als kontinuierlichen Fluss. In diesem Zusammenhang könnte man argumentieren, dass die Zukunft, sobald sie eingetreten ist, Teil der Gegenwart wird. Die Zukunft ist demnach eine kontinuierliche Entfaltung von Ereignissen, die ständig in die Gegenwart übergehen. Gemäß dieser Auffassung wäre die Zukunft tatsächlich ein integraler Bestandteil des JETZT.


Das Bild oben von zwei Seglern (Anna Burnet und John Gimson, 12. Sept 2020*) als Team im Rennen betont die Bedeutung von Zusammenarbeit und Teamwork, um gemeinsam Ziele zu erreichen. In der Schule, in der Gesellschaft und in der Wirtschaft ist Zusammenarbeit oft entscheidend für den Erfolg. Wir können uns ermutigen, dass wir zusammenarbeiten, Ideen austauschen und voneinander lernen, um eine bessere Zukunft zu gestalten. Gleichzeitig ist ein Wettbewerb, eine Regatta auch Ansporn, Fähigkeiten zu entwickeln und uns den Herausforderungen, die sich ständig ändern können zu stellen. Wir sollten flexibel und anpassungsfähig sein.

Beim Segeln müssen die Seglerinnen und Segler ihre Strategien an die wechselnden Bedingungen anpassen, um voranzukommen. In ähnlicher Weise sollten wir uns in der Schule und in der Zukunft auf Veränderungen einstellen, neue Wege finden und uns den Herausforderungen anpassen, um erfolgreich zu sein. Wir setzen uns Ziele, um eine Vision für die Zukunft zu haben. Segler haben ein klares Ziel vor Augen und arbeiten hart daran, es zu erreichen.

Bildungsgerechtigkeit | Wie wird Bildung zeitgemäß?

Eines Tages erhielt ich eine Einladung, auf dem Kirchentag an einer Podiumsdiskussion zum Thema Bildungsgerechtigkeit teilzunehmen. Nachdem ich kurz darüber nachgedacht hatte, entschied ich mich, zuzusagen. Es gibt eine Reihe von Erkenntnissen, die mich schon seit einiger Zeit in meinem Engagement begleiten, und ich möchte dazu beitragen, dass diese Themen besser verstanden und öffentlich diskutiert werden. Gemeinsam können wir die anstehende Transformation wirklich bewältigen.

Seit vielen Jahren wissen wir eigentlich, was zu tun ist. Das eigentliche Problem liegt nicht in mangelnder Erkenntnis, sondern in der Umsetzung. Deshalb hat mich die Formulierung „Jetzt ist die Zeit“ sofort begeistert, denn JETZT ist es an der Zeit, aktiv zu werden.

Als Symbol für diese Haltung ließ ich ChatGPT bzw. DALL-E 2 ein Bild erstellen, das den FREI DAY von Schule im Aufbruch und das Logo des Kirchentags kombiniert. Ich finde, das Ergebnis ist sehr gelungen.

Bild: „Jetzt ist die Zeit“ und der FREI DAY von Schule im Aufbruch von künstlicher Intelligenz erzeugt (Mai 2023)

Erkenntnisse und Themen

Bildung nachhaltiger Entwicklung (BNE) hat eine große Bedeutung für die Gesellschaft und Wirtschaft, da sie darauf abzielt, Wissen, Fähigkeiten, Werte und Einstellungen zu fördern, die zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen.

Die Agenda 2030 mit den 17 Nachhaltigkeitszielen (SDGs) ist der Versuch, einen Boxenstopp zu beschreiben auf dem Weg zu einer nachhaltigen Welt. Die Ziele geben uns aber keinen Hinweis darauf, welche Strategien und Lösungswege wir einschlagen können. Das alles liegt in der Gestaltungskraft unserer Gesellschaft.

Unsere Schülerinnen und Schüler werden Berufe ausüben, die heute noch nicht existieren und Werkzeuge benutzen, die noch nicht erfunden sind. Ihr Erfolg wird darauf bauen, Zusammenhänge zu verstehen, vorhandenes Global-Wissen möglichst schnell aufzufinden, mit Widersprüchen umzugehen, und mit Hilfe innerer Stärken und Talente, gemeinsam mit ihren Mitmenschen transformative Lösungen zu entwerfen.

Eine Bildung für nachhaltige Entwicklung ist kein weiteres Unterrichtsfach. Sie ist vielmehr eine Einladung, oder gar Aufforderung an unsere Bildungseinrichtungen – insbesondere für Schulen – BNE als neues Bildungsprinzip zu verstehen.

Die Lern-Kulturen in unseren Schulen benötigen folglich einen Fokus auf vernetztes Wissen, Denken und Handeln. Die Lern-Themen müssen für die Lernenden eine Relevanz haben.
Eigenverantwortung für den eigenen Lernprozess kommt einher mit Selbst- und Mitbestimmung im Unterricht. Mut und Kreativität kommen mit Freiräumen und Fehlertoleranz.

Eine Transformation der Lern- und Schulkulturen im Sinne einer BNE, wie es u.a. die Roadmap BNE2030 der UNESCO formuliert, verlangt jedoch viel mehr als nur Informationsvermittlung in Form von Fortbildungen und neuen Unterrichtsmaterialien. Ein Wandel in diesem Sinne benötigt ausreichend Freiräume sowie veränderte Haltungen und Kulturen der handelnden Menschen in Schulen, Schulverwaltung und -Behörden. Schule muss offener werden. Daher ist eine Vernetzung auf kommunaler Ebene mit anderen Schulen, Verwaltung, Gemeinden und Städten, außerschulischen Bildungsakteuren und auch mit der Wirtschaft ein wesentlicher Baustein für eine erfolgreiche Umsetzung einer BNE in der Breite.

BNE zielt darauf ab unseren Lernenden transformative Bildungsprozesse zu ermöglichen. Eine flächendeckende Umsetzung in allen unseren Schulen und Bildungsbereichen verlangt daher eine transformative Entwicklungslogik. BNE ist eine Aufforderung, Schule neu zu denken und zu gestalten – einen Whole School Approach.

Bild Whole School Approach
Bild: Whole School Approach von Schwarz, Limmer, Lindau (KU Eichstätt, 2022 in Kooperation mit Schule im Aufbruch)

Wie ist der Zustand der Bildung?

Auf diese Frage erhielten wir eine Vielzahl unterschiedlicher Antworten von den Teilnehmern des Podiums: Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani (Migrationsforscher), Katharina Swinka (ehemalige Generalsekretärin der Bundesschülerkonferenz), Cornelia Trinkl (Stadträtin, Referentin für Schule und Sport, Nürnberg) und Georg Eck (Schule-im Aufbruch, Region Franken):

„Das Bildungssystem legt einen zu starken Fokus auf kognitive Bildung, während Co-Kreativität und Verantwortung aufgrund von Stress und Leistungsdruck vernachlässigt werden. Dadurch entsteht eine stark extrinsische Kultur, die niemandem guttut: weder den Schülerinnen und Schülern, die später in den Beruf gehen, noch den Familien oder den Lehrkräften, noch unserer offenen, demokratischen Gesellschaft und am wenigsten unserem gemeinsamen Planeten.

Die Angst vor Versagen und Zukunftsängste nehmen zu (siehe Ausgabe von chrismon Mai 2023 oder den Film „Bildungsgang„) und verhindern ein tieferes Verständnis komplexer Zusammenhänge, empathisches Denken und den Glauben an die eigene Wirksamkeit und das Potenzial, etwas bewirken zu können.“

In Deutschland ist es nach wie vor deutlich sichtbar, welcher Familie Kinder angehören. „Der schulische und berufliche Erfolg hängt vor allem davon ab, inwieweit das familiäre Umfeld ökonomische, kulturelle und soziale Unterstützung bieten kann,“ wie der Soziologe Aladin El-Mafaalani feststellt (Quelle: Deutschlandfunk 1. Mai 2021).

Allerdings ist die Abbrecherquote in deutschen Familien mit 4,6 % hoch, während sie bei Familien mit Migrationshintergrund bei 13,4 % liegt.

„Wir benötigen eine radikale Veränderung der Bildung, auch in der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung, denn mit einer Kultur von Erfüllergeist und Fehlerangst ist keine gute Zukunft zu bauen.

Übrigens können wir einen Zusammenhang zwischen Burnout, Angst und Depression bei Erwachsenen und unserem Schulsystem erkennen, denn wir sprechen über Leistungsgesellschaft, aber übersehen, wer Leistung will muss Sinn und Beziehung anbieten. Ohne sie werden wir krank,“ sagt Margret Rasfeld in einem Interview (Quelle: Nürnberger Nachrichten, April 2023).

Zusammenfassung Podiumsdiskussion

Jetzt ist die Zeit: Wie wird Bildung zeitgemäß?
[Hier] geht es zum Beitrag von Schule im Aufbruch.


„Jetzt ist die Zeit“ kann Menschen ermächtigen und sie dazu ermutigen, selbst aktiv zu werden und Veränderungen anzugehen. Es erinnert daran, dass wir nicht passiv auf Ereignisse warten sollten, sondern dass wir die Fähigkeit haben, Einfluss zu nehmen und die Welt um uns herum zu gestalten. Diese Art von Botschaft kann Menschen dazu inspirieren, ihr eigenes Potenzial zu erkennen und ihre Handlungen in die eigene Hand zu nehmen.


*) Bildquelle Veröffentlichung zur 126-ten Kieler Woche: Nacra 17 Rennen. Anna Burnet und John Gimson wurden Zweiter am 12. Sep 2020.

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Georg

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